Kennst du das Gefühl? Du nimmst deine Maße, suchst dir die passende Größe aus der Tabelle, schneidest zu, nähst, probierst an und irgendwas stimmt trotzdem nicht ganz. Zu weit hier, zu eng da, die Schulter sitzt komisch, die Taille ist nicht da, wo sie sein sollte.
Und der erste Gedanke ist meistens: Liegt an mir. Liegt an meinem Körper. Irgendwas stimmt mit mir nicht.
Ich sage dir jetzt, warum dieser Gedanke falsch ist. Und ich erkläre es dir mit Kaffeebohnen.
Erst mal kurz zu den Bohnen
Ich nenne die Frauen in meiner Community meine Bohnen. Der Name kommt daher, dass ich ohne Kaffee nicht funktioniere, aber vor allem, weil das Bild so gut passt.
Schau dir mal eine Handvoll Kaffeebohnen an. Keine sieht aus wie die andere. Unterschiedliche Formen, unterschiedliche Größen, manche runder, manche kantiger, manche heller, manche dunkler. Und trotzdem, zusammen in der Tasse, ergeben sie etwas vollmundiges, warmes, rundes. Etwas, das einfach gut ist.
Genau so ist das mit uns.
Keine Frau hat denselben Körper. Keine dieselben Maße. Keine dieselbe Geschichte. Und keine muss das haben. Wir sind alle unterschiedlich. Und das ist nicht das Problem.
Das Problem liegt woanders.
Was wirklich hinter einem Schnittmuster steckt
Um zu verstehen, warum ein Schnittmuster nie automatisch perfekt passt, muss man kurz verstehen, wie es konstruiert wird.
Ein Mehrgrößenschnittmuster entsteht auf Basis einer sogenannten Reihenmessung. Das bedeutet: Es werden viele Menschen vermessen, die Ergebnisse statistisch ausgewertet, und daraus wird ein Durchschnittskörper berechnet. Dieser Durchschnitt ist die Grundlage für den Schnitt.
Klingt erstmal sinnvoll. Ist es auch, im Rahmen dessen, was möglich ist.
Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt.
Pro Konfektionsgröße fließen rund 70 Körpermaße ins Schnittprogramm ein. Schulterbreite, Rückenbreite, Brustumfang, Taillenumfang, Hüftumfang, Oberschenkelumfang, Oberkörperlänge vorn, Oberkörperlänge hinten, Armkugelhöhe, Schrittlänge, und noch viele mehr.
Siebzig Maße ergeben zusammen den Schnitt.
Und wie wählst du deine Größe?
Anhand von drei Maßen. Meistens Brust, Taille und Hüfte.
Drei. Von siebzig.
Das heißt: Selbst wenn du deine Maße korrekt nimmst und laut Tabelle die „richtige“ Größe wählst, bildet diese Größe deinen Körper nur in drei Punkten ab. Alles andere, deine Schulterbreite, deine Rückenlänge, deine Armkugel, dein Rücken, deine Oberschenkel, wird nach einem statistischen Durchschnittskörper konstruiert. Einem Körper, der in der Realität so gut wie gar nicht existiert.
Es ist nicht möglich, ein Schnittmuster für alle zu bauen
Hier ist die ehrliche Wahrheit, die niemand so direkt ausspricht:
Es ist schlicht nicht möglich, ein Schnittmuster so zu konstruieren, dass es allen Menschen auf der Welt passt. Dafür sind wir zu unterschiedlich. Zu individuell. Zu sehr wir selbst.
Genau wie jede Kaffeebohne in einem Kilo Kaffee ihre eigene Form hat, hat jeder Körper seine eigenen Maße. Manche haben breite Schultern und schmale Hüften. Manche einen langen Oberkörper und kurze Beine. Manche viel Brust und wenig Taille. Manche kämpfen mit Lipödem, das jedes Schnittmuster an seine Grenzen bringt. Manche sind klein und kompakt, manche groß und schmal.
Zusammen ergeben wir etwas Großes. Aber keine von uns ist der Durchschnitt aus siebzig Maßen.
Und kein Schnittmuster der Welt kann das vollständig abbilden.
Was das für dich und dein Nähen bedeutet
Wenn dein Schnittmuster nicht passt, liegt das nicht an dir. Es liegt nicht an deiner Figur. Es liegt nicht daran, dass du irgendwie falsch bist.
Es liegt daran, dass du keine Durchschnittsbohne bist.
Niemand ist das.
Anpassen ist deshalb kein Zeichen von Unvermögen. Anpassen ist die logische Konsequenz daraus, dass du ein echter Mensch mit echten Maßen bist und kein statistischer Mittelwert. Jede Näherin, egal wie erfahren, egal welche Figur, muss Schnittmuster anpassen. Der Unterschied zwischen Frust und Freude ist dabei nur eines: Wissen.
Wissen, welche Anpassungen dein Körper braucht. Wissen, wo du sie ansetzt. Wissen, wie du sie umsetzt, ohne jedes Mal von vorne anzufangen.
Wo du dieses Wissen bekommst
Genau das ist, woran wir im KreativCircul gemeinsam arbeiten.
Jeden Montag gibt es beim KreativMontag ein neues Video, das dir dieses Wissen Schritt für Schritt aufbaut. Praxisnah, verständlich, ohne Fachchinesisch. Für echte Körper. Für echte Bohnen.
Die ersten Folgen drehen sich darum, warum Konfektionsgrößen so oft in die Irre führen, wie du deine Maße richtig nimmst ohne zu raten, und was auf einem Schnittmusterbogen wirklich draufsteht und warum das einen echten Unterschied macht. Und welche Themen als nächstes kommen? Das bestimmst du mit.
Schon ab der Basic-Mitgliedschaft für 19,90 € im Monat bist du dabei.
Willkommen in der Crema.


