Wenn du dir eine Hose oder einen Rock nähen möchtest, führt kein Weg am Maßnehmen vorbei. Das Maßband ist dein wichtigstes Werkzeug, bevor du überhaupt ein Schnittmuster auswählst. Denn nur mit deinen persönlichen Körpermaßen kannst du sicherstellen, dass dein selbstgenähtes Kleidungsstück auch wirklich passt.
Die in Schnittmustern angegebenen Größen basieren auf einer festen Maßtabelle. Diese hat nichts mit den Größen aus dem Kaufhaus zu tun. Deshalb ist es beim Nähen entscheidend, dich nicht auf Größenangaben, sondern auf deine eigenen Maße zu verlassen.
Warum Maßnehmen beim Nähen so wichtig ist
Professionell konstruierte Schnittmuster orientieren sich an Standardmaßen. Diese werden für bestimmte Stoffarten und Schnitte entwickelt. Durch Abnäher, Bequemlichkeitszugaben oder negative Weiten werden sie an die Passform angepasst. Aber sie können nur dann richtig sitzen, wenn du die richtige Größe anhand deiner individuellen Maße wählst.
Das bedeutet: Deine Kaufgröße hilft dir hier nicht weiter. Jedes Schnittmusterlabel legt die Größen anders aus. Deshalb kann es sein, dass du bei einem Label Größe 40 nähst, bei einem anderen aber eine 36 brauchst. Beim Nähen zählt dein Maßband, nicht das Etikett.
Tipp: Video zum Maßnehmen
Alle Maße aus diesem Blogbeitrag und wie du sie richtig nimmst, erkläre ich dir ausführlich in meinem Video zum Thema Maßnehmen. Schau es dir am besten direkt an, bevor du loslegst.
Die wichtigsten Maße für Hosen und Röcke
Wenn du eine Hose oder einen Rock nähen möchtest, brauchst du zwei Maße unbedingt: den Hüftumfang und den Taillenumfang.
Hüftumfang (auch Gesäßumfang genannt)
Der Hüftumfang wird an der stärksten Stelle deines Pos gemessen. Das Maßband liegt dabei waagerecht und eng an, ohne einzuschneiden. Dieses Maß ist die Basis für die Größenauswahl beim Hosen nähen. Du wählst die Grundgröße deines Schnittmusters nach dem Hüftumfang.
Taillenumfang
Die Taille liegt an der schmalsten Stelle deines Oberkörpers. Du findest sie am einfachsten, wenn du deinen Arm locker hängen lässt. Die Taille liegt dann etwa auf Höhe des Ellenbogens. Auch hier liegt das Maßband waagerecht an.
Das Taillenmaß brauchst du, wenn du dein Schnittmuster zwischen zwei Größen anpassen möchtest. Hast du zum Beispiel an der Hüfte eine Größe 42, aber an der Taille nur eine 38, kannst du das Schnittmuster entsprechend dieser Information anpassen.
Ergänzende Maße für individuelle Anpassungen
Wenn du möchtest, dass deine Hose oder dein Rock noch besser sitzt, kannst du weitere Maße nehmen und das Schnittmuster damit gezielt verändern.
Hüfttiefe
Die Hüfttiefe misst du senkrecht vom Taillenpunkt bis zur stärksten Stelle der Hüfte. Wichtig ist, dass du nicht am Körper entlang misst, sondern im rechten Winkel von oben nach unten. Dieses Maß hilft dir, den Bund auf der richtigen Höhe zu positionieren.
Kreuznaht (nur bei Hosen relevant)
Die Kreuznaht verläuft von der vorderen Taille zwischen den Beinen hindurch bis zur hinteren Taille. Dieses Maß zeigt dir, wie viel Platz im Schrittbereich benötigt wird. Besonders bei engeren Hosen ist dieses Maß entscheidend für die Passform.
Du misst von Taille zu Taille durch den Schritt, idealerweise mit einem flexiblen Maßband und einer helfenden Hand. In Kombination mit der Hüfttiefe kannst du dann genau bestimmen, wo die Hose später sitzen soll.
Seitenlänge
Die Seitenlänge misst du von der Taille bis zum Boden oder Knöchel. Dieses Maß brauchst du, um die Hosenbeinlänge oder Rocklänge anzupassen. Je nach Rockform kann dieses Maß natürlich kürzer sein, zum Beispiel bis zum Knie oder zur Mitte des Schienbeins.
Innenbeinlänge
Die Innenbeinlänge misst du vom Schritt (Damm) bis zum Boden. Dieses Maß wird vor allem beim Anpassen von Hosen verwendet. Wenn du bereits die Seitenlänge gemessen hast, ist die Innenbeinlänge optional, kann dir aber helfen, die Passform im Schritt und am Bein zu optimieren.
Oberschenkelumfang
Der Oberschenkelumfang wird an der stärksten Stelle des Oberschenkels gemessen. Auch hier liegt das Maßband waagerecht an. Dieses Maß ist nützlich, wenn du das Hosenbein an deine Figur anpassen möchtest – zum Beispiel bei kräftigeren oder sehr schmalen Oberschenkeln.
Schnittmuster anpassen – so geht’s
Mit den oben genannten Maßen kannst du ein Schnittmuster so anpassen, dass es wirklich zu dir passt. Du startest mit der Grundgröße, die du anhand deines Hüftumfangs auswählst. Dann schaust du, ob deine Taille kleiner oder größer ist und passt das Schnittmuster in diesem Bereich an.
Die Hüfttiefe hilft dir bei der Platzierung des Bundes. Mit der Kreuznaht, Seitenlänge und Innenbeinlänge kannst du deine Hose noch besser auf deinen Körper abstimmen. Der Oberschenkelumfang gibt dir zusätzliche Kontrolle über die Weite des Hosenbeins.
In meinen Näh-mit-mir Kursen widmen wir uns immer einen kompletten Live-Abend dem Anpassen des jeweiligen Schnittmusters. Ich erkläre dir welche Anpassungen ggf. notwendig sind und helfe dir dabei diese Anpassungen umzusetzen.
Fazit: Maßnehmen ist die Grundlage für passgenaue Kleidung
Ohne Maßnehmen geht beim Nähen nichts. Gerade wenn du Hosen nähen willst, solltest du dir die Zeit nehmen, deine Maße genau zu nehmen und sie beim Anpassen des Schnittmusters zu nutzen. So sparst du dir nicht nur Frust beim Nähen, sondern bekommst ein Kleidungsstück, das wirklich sitzt und das du gerne trägst.
Wenn du noch mehr über das Anpassen von Schnittmustern lernen möchtest, schau gerne in meine anderen Beiträge oder sieh dir das passende Video zum Maßnehmen an. Du wirst sehen: Mit dem richtigen Maß sitzt deine selbstgenähte Hose wie angegossen.



2 Antworten
Guten Morgen Danke für die tollen Erklärungen. Würde gerne Deine Anleitungen mir in Papierform ausdrucken kann nicht so lange am Bildschirm arbeiten. Mache mir auch immer zwischendurch Notizen. Gibt es eine Möglichkeit?
Hallo!
Danke für deinen Kommentar. Zur Zeit arbeite ich an einem Kurs zum Thema Schnittmuster anpassen. Dort wird auch eine Druckbare Version enthalten sein.
Wenn du allerdings die Schnittmuster meinst, dann kannst du diese als PDF ganz einfach ausdrucken.
Liebe Grüße
Kristin